Vom 27.10.2017
 
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Blick ins "Schatzkästlein" von Leiberstung
Staatssekretärin und Präsident des Genossenschaftsverbandes loben Dorfladen / Umzug wird geprüft
 
Von Christa Hoffmann
Sinzheim - Der Genossenschaftsladen im Sinzheimer Ortsteil Leiberstung ist eine Erfolgsgeschichte. Momentan wird ein Umzug in den alten Bürgersaal geprüft, weil das Mietverhältnis in den bisherigen Räumen in der Leiboldstraße 68 zum 30.April 2019 ausläuft. Die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum, Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU), hat gestern die Räumlichkeiten besichtigt und auch einen möglichen Alternativstandort in Augenschein genommen.
 
"Unglaublich, was da alles angeboten wird", bestaunte die Staatssekretärin die Fülle an Waren in dem kleinen Geschäft, und ergänzte mit Blick auf Wein und Schnaps schmunzelnd: "Auch für geistige Getränke ist gesorgt." Der Raum sei ein richtiges "Schatzkästlein".
 
In Baden-Württemberg gebe es inzwischen 23 Genossenschaftsläden, berichtete Friedlinde Gurr-Hirsch. Vier seien in der Wartenschleife. Die Rechtsform einer Genossenschaft sei in diesen Fällen die verlässlichste, da die Anteile der Bürger dazu führten, dass sie auch in "ihrem" Laden einkauften. Und zudem sei er ein Ort der Kommunikation, an dem man sich bei einer Tasse Kaffee austauschen könne. Und da es auch Zeitungen und Zeitschriften gebe, habe man "auch täglich einen Grund zu kommen", betonte die Staatssekretärin. Ein solches Geschäft sei ein wichtiger Standortfaktor für ein Dorf, betonte Tobias Wald. Nicht nur unter sozialen, sondern auch unter Umweltaspekten. Man müsse sonst "sechs Kilometer bis zum nächsten Brötchen fahren", erzählte Naber.
 
Zunächst informierte der Aufsichtsratsvorsitzende von "Unser Dorfladen Leiberstung eG" Alexander Naber alle Teilnehmer des Treffens über die Gründung der Genossenschaft und die positive Entwicklung des Projekts, das im Mai 2009 umgesetzt wurde. Mit dabei war der Präsident des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands, Roman Glaser, der Landtagsabgeordnete Tobias Wald (CDU) und Leiberstungs Ortsvorsteher Josef Rees. Darüber hinaus die stellvertretende Ortsvorsteherin und Teamleiterin des Dorfladens, Angelika Audet-Binz, der ehrenamtliche Vorstand Peter Günther und die ehrenamtlichen Aufsichtsratsmitglieder Diana Grohmann, Andreas Fiedler und Harald Günther.
 
Für 25 Euro konnten Leiberstunger damals einen Anteil erwerben. Das Genossenschaftsmodell habe man auch deshalb gewählt, so Naber, weil es das Wir-Gefühl habe stärken sollen. Bekannt gewesen sei, dass solche Läden sich bei einem Umsatz von etwa 100.000 Euro gerade so tragen würden. Jener im 900-Seelen-Dorf Leiberstung hat 2016 stolze 235.000 Euro umgesetzt. Der hiesige Dorfladen sei sehr effizient geplant worden und werde "sehr effizient geführt", lobte Roman Glaser die Verantwortlichen.
 
Wo möglich, würden regionale Produkte geordert. Das gelinge beispielsweise bei Brot, Fleisch, Wurst, Käse, Eiern und Kartoffeln, erklärte Naber. Allerdings gebe es in dem 50 Quadratmeter kleinen Raum kaum Lagerfläche. Deshalb könne man sich auch "keine Ladenhüter leisten", ergänzte Peter Günther. Sieben "Teilzeitdamen" kümmerten sich um den Laden, so Naber. Allerdings liefe dieser nicht ohne ein erhebliches Maß an ehrenamtlich Engagierten.
 
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bt271017cIm Anschluss besichtigte die Gruppe die neuen ins Auge gefassten Räumlichkeiten im Haus der Ortsverwaltung. Im Anschluss an den Sitzungssaal des Ortschaftsrats befindet sich der Bürgersaal, der kaum noch genutzt werde, mit einem Bühnenraum. In seiner September-Sitzung hat der Sinzheimer Gemeinderat einer Prüfung des Vorhabens zugestimmt (wir berichteten). Die bisher lediglich überschlagenen Sanierungskosten wurden mit 70.000 Euro angegeben, wobei mit Eigenleistungen im Geldwert von rund 38.000 Euro zu rechnen ist. Der Bühnenraum ist für Vereine zum Üben vorgesehen, der 70 Quadratmeter große Saal für den Laden. Hinzu kommen einen Nebenraum und Toiletten im Keller.
 
Der Vorteil wäre, dass hier in den Regalen mehr Waren gelagert werden könnten und die Angestellten nicht immer so oft fahren müssten, um Nachschub zu holen, erklärte Alexander Naber. Die Genossenschaft würde die Räumlichkeiten vom Eigentümer, der Gemeinde Sinzheim, anmieten. Peter Günther zählte schließlich noch einen Pluspunkt für den Umzug in den alten Bürgersaal auf: Dadurch bliebe ein "Teil des Dorfbildes erhalten".